oswald schwemmer

„Unsere kulturelle oder individuelle Identität wurzelt in einem geordneten Gefüge von Ausdrucks- und Wahrnehmungs-, von Denk- und Handlungsformen, von Formen des Fühlens und Wollens, die uns als Muster in unserem Leben eine Orientierung bieten.
[...]
Unsere persönliche und unsere kulturelle Identität sind nicht zu trennen, aber sie sind nicht dasselbe. Durchtränkt von und verwurzelt in den kulturellen Symbolwelten, wird uns die Arbeit an der Selbstgestaltung nicht erspart.“

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Umberto Eco

Umberto Eco im Gespräch mit Branca Le Comte Bogavac: „Der Roman und das Wissen“. In: Lettre Inetrnational 84, Berlin 2009

lettre 84Ich glaube also, dass der Mensch von Kultur und der Künstler sich, jeder auf seine Weise, in einer Welt bewegen, indem sie sich verschiedene „Rahmen“ vorstellen, die geeignet sind, die Dinge auf andere Weisen zu erklären. Sie halten plötzlich vor etwas inne, das für jemand anderes belanglos ist und denken, dass diese Sache in Bezug auf einen neuen Rahmen erheblich werden könnte.

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Constantin von Barloewen

von Barloewen, Constantin: „Arena oder Agora – Fortschritt und menschliche Würde in der Pluralität der Kulturen“. In: LETTRE 81, Berlin 2008, S.110-111

[…] Jede Kultur liefert viele verschiedene Antworten auf im Grunde gleiche anthropologische Fragen. Es gibt folglich Kristallisationspunkte, die alle Kulturen durchdringen. Im Visier stehen die existenziellen Parameter. Menschliche Würde und Fortschritt sind solche anthropologische Konstanten.

pdf – „Arena oder Agora“ – Zitatensammlung aus dem Artikel

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Peter Sellers

Sellars, Peter: „Kultur der Demokratie“. In: LETTRE 66, Berlin 2004, S.111-114

[…] Das großartige an Kultur ist, das sie durch Begegnungen und Reisen entsteht.

pdf - „Kultur der Demokratie“ – Zitatensammlung aus dem Artikel

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Gestalt

Kuhn, Tobias: „Gestalt“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

Der Begriff „Gestalt“ kann auf unterschiedliche Weise erläutert werden. Es gibt die physische und die metaphysische oder theoretische Betrachtungsweise.

Die Synonyme „Form“, „Umriss“, „Figur“, „Wuchs“ und „Erscheinung“ stehen für die physische Verortung, die Gestalt als Teil der realen Umwelt sicht- und fühlbar werden zu lassen.

Hingegen zeigen Synonyme wie „Habitus“, „Charakter“ und „Person“, die theoretische und damit auch psychische und philosophische Bedeutung.

In der Philosophie selbst war und ist die Untersuchung der Beziehung zwischen Gestalt (griechisch: „morphe“ bedeutet „Form“), Wahrnehmung und Wirklichkeit zentrales Thema.

In der Psychologie wird Gestalt auch als „Summe des Ganzen“ gesehen, jedoch gibt es hier keine wissenschaftlich eindeutige Definition.

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Kultur

Heijl, Peter M. : „Kultur“ In: Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 2001

Kultur (lat. Cultura: Pflege, Landbau) bezeichnet in der Alltagssprache und in der Wissenschaft sehr unterschiedliche Phänomene und ist zusammen mit Zivilisation (von frz. Civilisation, einer Neubildung des 18.Jh.s aus civilité von lat. civilitas; Zivilisationstheorie) zu erörtern.

Wie kaum ein anderes Begriffspaar sind Kultur und Zivilisation Teil der europ. (v.a. frz.-dt.) Auseinandersetzung um die politische und intellektuelle Führungsposition in Europa, sowie der Ausbildung der jeweiligen nationalen Identität (im Sinne von nation-building).

Kultur wird in Frankreich in der Grundbedeutung >Pflege< seit dem 16.Jh. verwendet. Das Wort kann sich dabei auf konkrete äußere Gegenstände beziehen.

Culture bezeichnet so den Anbau unterschiedlicher Nutzpflanzen, z.B. culture de la vigne.

Gepflegt werden kann aber auch die innere Natur des Menschen: Kultur von Geistigem, etwa als culture des sciences. Das Wort bezeichnet den Prozeß und sein Ergebnis.

Kultur als Pflege menschlichen Denkens und Handelns konnotierte auch die Verbesserung der Sitten.

Damit geriet Kultur in Konkurrenz zu Wörtern wie civilité, politesse, police usw.

Im 18.Jh. entsteht die wohl auf Mirabeau zurückgehende Umformung von civilité zu civilisation mit der Bedeutung >Sittenverbesserung<.

Wie Kultur wird civilisation auf den Vorgang und auf das Ergebnis angewandt. Bereits im 18.Jh. erhält der Begriff auch eine geschichtsphilosophische Bedeutung. Er bezeichnet nunmehr die historische Entwicklung der Menschheit. Sie wird, etwa bei den Enzyklopädisten, im Sinne der Aufklärung als Höherentwicklung zu Selbstständigkeit, Freiheit, Frieden, Abschaffung der Sklaverei und Sieg über die Armut verstanden.

Während civilisation im Singular ein wertender Begriff ist, bezeichnet etwa seit 1820 die Pluralform civilasations Völker mit jeweils spezifischen Sprachen, Sitten, Normen, usw. In dieser Form wurde der Begriff zu einem Fachbegriff der Anthropologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Soziologie, wo er weitgehend synonym mit Kultur verwendet wird.

Napoleon setzte den Zivilisationsbegriff propagandistisch ein. Nach seiner Niederlage wurden nationaler Gedanke und civilisation als universelles Fortschrittskonzept verbunden.

Während des 19.Jh.s wurden so viele außenpolitische Aktivitäten Frankreichs als Erfüllung des selbsterteilten zivilisatorischen Auftrags dargestellt.

Die Entwicklung des dt. Kulturbegriffs und seine Unterscheidung von >Zivilisation< muß vor diesem Hintergrund sowie vor dem des politischen Scheiterns des dt. Bürgertums gesehen werden.

S. Pufendorf brauchte bereits im 17.Jh. cultura als Gegenbegriff zum Naturzustand und zur Barberei.

Als Wertbegriff kennzeichnete Kultur so eine Seinsform, die sich über den Naturzustand erhebt. In stärkerem Maße wurde Kultur in Deutschland jedoch erst im 18.Jh. gebraucht, zunächst v.a. als Fachterminus in der Land- und Forstwirtschaft.

Durch die Beschäftigung mit der frz. Aufklärung breitete sich etwa ab 1760 Kultur auch in der übertragenen Bedeutung aus.

Dabei stellte man einem Naturzustand einen Kulturzustand gegenüber.

Die Konzeption einer Persönlichkeitskultur entstand.

Unter dem Einfluß des Hofes in Versailles entwickelte sich parallel zu diesem inneren und subjektiven Aspekt der einer objektiven Kultur.

Beides wurde in der dt. Tradition v.a. auf die Vervollkommnung des Einzelmenschen bezogen.

Er kann seine >Freiheit< zwar im ökonomischen, sonst aber v.a. im Bereich wissenschaftlicher und künstlerischer Aktivitäten verwirklichen, die Politik bleibt ihm versperrt.

In der Mitte des 19Jh.s wurde der Kulturbegriff aufgespalten.

Neben dem aus der Goethezeit stammenden Kulturbegriff trat nun der wissenschaftliche Kulturbegriff (Kulturtheorie).

Zurückgehend auf J. Burckhardts Kultur der Renaissance in Italien (1860) >>entstand der heute gebräuchliche zeit- und raumbezogene Kulturbegriff als Ausdruck eines einheitlichen vergangenen oder gegenwärtigen Geschichtskörpers[…] Kultur wird zum seelischen Gesamtzustand einer Zeit und einer Nation<< (Pflaum 1967, S.291).

Kultur wurde damit nicht mehr auf Einzelmenschen als Teil der Menschheit insgesamt, sondern auf abgrenzbare soziale Gruppen bezogen. Damit konnten Kulturen als Individuen beschrieben, analysiert und verglichen werden. Dies führte zu einer nicht mehr wertenden, sondern deskriptiven Definition, wie sie E.B. Tylor im Anschluß an die Diskussion in Deutschland bereits 1870 verwendete: >>Kultur oder Zivilisation, […] ist das komplexe Ganze, das Wissen, Überzeugungen, Kunst, Gesetze, Moral Tradition und jede andere Fertigkeit und Gewohnheit einschlißt, die Menschen als Mitglieder einer Gesellschaft erwerben<< (A.L.Kroeber/C. Kluckhohn 1967, S.81).

Verglichen mit dem Präzisionsgewinn durch den wissenschaftlichen Kulturbegriff blieb der Wortgebrauch in der Alltagssprache bis heute vage, aber positiv wertend.

Zivilisation trat in Deutschland im Anschluß an den frz. Gebrauch als >Sittenverfeinerung< auf, wurde jedoch bereits seit der zweiten Hälfte des 18.Jh.s innerhalb des innen/außen – Dualismus mit Kultur kontrastiert. ?

Der Kultur – Zivilisation – Dualismus entstand.

Zurückgehend auf I. Kant wurde Zivilisation als bloß äußerlich verstanden, während Kultur die innere Verfeinerung meinte, ein Vorwurf, den das Bürgertum kontinuierlich dem besonders von Frankreich beeinflussten Adel machte.

Damit sprach es Bildung als Teil von Kultur einen Wert zu, durch den der Gebildete und (der) Kultivierte Gleichrangigkeit mit dem Adel beanspruchte, wenn nicht gar Überlegenheit.

J.H. Pestalozzi assoziierte Zivilisation mit >Masse< und sprach von >kulturlosen Civilisationskünsten<, während er Kultur für etwas >Organisches, Innerliches< hielt.

Obwohl etwa von 1850 bis 1880 oft synonym verwendet, wurden die Begriffe danach verschärft als Antithesen gefasst. Schätze man zunächst die Industrialisierung positiv ein, so änderte sich das, als die ersten Umweltveränderungen deutlich wurden, als die zwar erfolgreiche aber auch krisenhaft verlaufende Industrialisierung Deutschlands viele Menschen existenzieller Not aussetzte und das Land sich gegen Konkurrenz von außen abschottete.

Damit einher ging die konservative Wende der Politik Bismarcks 1878/79 (Wehler 1995, S.934ff.). Sie verschärfte und instrumentalisierte einerseits den exklusiven Nationalismus. Andererseits wuchs auch die Angst vor der sich organisierenden Arbeiterschaft.

Nach 1880 wurde >Zivilisation< zum Schlagwort der konservativen Gesellschafts- und Technikkretik.

Schließlich ging der Begriff in die Schriften der Volkstumpropagandisten und in rassistische Diskurse (u.a. H.S. Chamberlain, L. Woltmann, A. Wirth) ein, findet sich aber ebenso bei Denkern und Künstlern wie R. Wagner, F.W. Nietzche, A. Schäffle und R. Eucken.

Die eigene >innere< Kultur wurde zu dem, worin man sich von anderen Nationen zu unterscheiden glaubte, bes. von Frankreich, bei dem der Zivilisationsbegriff eine trotz aller Differenzen mit dem Kulturbegriff vergleichbare Funktionen hatte.

Die Differenz von Kultur und Zivilisation war damit bis zum Ersten Weltkrieg und seiner Propaganda auf beiden Seiten außenpolitisches Kampfinstrument, in Deutschland überdies Teil des politisch konservativen Begriffsrepertoires und der Abgrenzung des Bürgertums von der Arbeiterschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu nachhaltigen Reorientierungen.

Im wissenschaftlichen Bereich sieht man heute, auch unter anglo-am. Einfluß, die Differenz von Kultur und Zivilisation als vernachlässigbar an.

Die Differenz lebt jedoch im unscharfen Alltagsgebrauch fort.

Soweit die Geisteswissenschaften nicht die wissenschaftliche Bedeutung von Kultur aufnehmen, findet sich in ihnen eine Tendenz, an die dt. Tradition der Jh.wende anzuschließen.

So wird Kultur oft exklusiv auf Kunst und Literatur bezogen und als >höhere Kultur< von der >Massenkultur< unterschieden.

Bereiche wie Bildung, Wissenschaft oder Technik, ebenso aber auch die Gestaltung von Städten oder Produkten werden kaum eingeschlossen, obwohl dies dem wissenschaftlichen Kulturbegriff entsprechen würde.

Vorschläge zur Präzisierung des Kulturbegriffs sind in jüngster Zeit von Seiten der Kulturökologie und v.a. Kultursemiotik sowie im Zusammenhang der Debatten um eine Kulturwissenschaft unterbreitet worden.

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Design

Erlhoff Michael; Marshall, Till: „Design“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

[…] Das Wort Design stammt aus dem lateinischen Wort „designare“, was man übersetzen könnte als „erläutern“, „beschreiben“, „markieren“, „bezeichnen“.

Im Laufe der Geschichte wandelte sich diese Bedeutung von einer Bezeichnung für viele menschliche Aktivitäten hin zu der heutigen Bestimmung professioneller Praxis und spezifischen Denkens. […]

Tatsächlich war es Leonardo da Vinci, der einst die erste Akademie für „disegno“ begründete; so verknüpfte die damalige Vorstellung von Design die Arbeit an der Kunst und die Konstruktion von Gegenständen und Räumen und kannte noch keinen Widerspruch zwischen Kunst und anderen Formen von Gestaltung, andererseits jedoch könnte man jene Akademie auch als erstes Anzeichen dafür verstehen, eine in bestimmter Weise praktizierende Person als „Designer“ zu bezeichnen.

Irgendwie aber verschwand die Kategorie und ihre Bedeutung innerhalb allgemeiner Vorstellungen von Handwerklichkeit und tauchten erst im Rahmen entwickelter Industrialisierung in neuer Bedeutung wieder auf, was selbstverständlich sowohl mit eben diesen neuen Produktionsweisen und -bedingungen als auch mit radikal veränderten Vertriebsstrukturen zu tun hatte. […]

Loewy war der erste Gestalter, der sich von der Originalitätswut der Künstlerinnen und Künstler und des Kunsthandwerks eindeutig distanzierte, eben nicht mehr alles jeweils als originär oder als grundlegend neu zu gestalten vorgab, vielmehr Design als Qualität permanenter Verbesserung des Bestehenden, als Entwicklungsprozess, als nutzerorientiert, als immanent widersprüchlich und als zutiefst verwickelt verstand und umsetzte.[…]

Also entwickelte er in seiner Arbeit jene Perspektive, Design als eine ungeheuer komplexe Aufgabe zu erfahren, die psychischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen, ökologischen Bedingungen verständlich zu machen und stets zu verbessern.[…]

Design als Forschung zu verstehen: Diese Diskussion wird seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit wachsender Intensität und Kompetenz vorangetrieben und bildet heute einen wesentlichen Faktor innerhalb der Entwicklung von Design.

Damit einher ging aber auch, Design zunehmend als Prozess zu verstehen, nicht mehr einzelne Dinge und Zeichen zu gestalten, vielmehr Kontexte und Bedingungen komplexer Produktion und Nutzung.

Was schon zu jener Zeit verdeutlichte, dass Design ein interdisziplinärer und kooperativer Auftrag ist. […]

Im Verlaufe des 20ten Jahrhunderts allerdings tendierte auch Design dazu, sich zu spezialisieren, so dass heute beispielsweise die Rede ist von Service Design, Event Design, Licht-Design, Branding und so weiter.

[…] seitens gesellschaftlicher Realität ebenso wie durch unternehmerische Aufgaben ist Design neu gefordert, komplizierte Probleme zu erörtern und in Angriff zu nehmen – womit sich das Verständnis von Design verändert und erweitert hat, der Design-Prozess eher als forschend konzeptionell, strategisch und umfangreich planend aufscheint und das Design sehr viel mehr Verantwortung und Einfluss erhalten hat.

Gewiss, in der Praxis – und somit auch in der Erläuterung dessen, was Design sein mag oder nicht – findet man beides:

Designerinnen und Designer, die in Unternehmen, Design-Studios und Agenturen höchst spezialisiert arbeiten und kleinste Details gestalten.

Andererseits arbeiten längst etablierte Designerinnen, Designer und Design-Teams höchst innovativ für komplexe Projekte und im Rahmen von Unternehmensentwicklung und

-beratung für die Gestaltung von Dienstleistungssystemen, logistischen Strukturen und für nachhaltige Programme, so dass sie als spezialisierte Generalisten aktiv und erfolgreich tätig sind. […]

Festzuhalten […] bleibt, dass Praxis und Reflektion von Design insgesamt tradierte Strukturen von Planung und Denken und auch die von Berufen und wissenschaftlichen Standards radikal und fruchtbar in frage stellt und ihnen neue Wege produktiven Handelns weist.

Womit das Design sehr seriös und beherzt auf diejenigen setzt, die mit ihm umgehen, es nutzen und alltäglich neu formulieren, eben im Gebrauch Entwürfe und das Design insgesamt realisieren.

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Gestaltung

Diefenthaler, Annette: „Gestaltung“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

Der Begriff „Gestaltung“ meint zunächst einen Eingriff in die Umwelt, der zu deren absichtsvoller Veränderung führt.

Gegenstand der Veränderung können dabei unmittelbar wahrnehmbare Dinge wie Räume, Objekte oder Abläufe oder auch mittelbar wahrnehmbare Inhalte wie Lebensgestaltung, Gestaltung gesellschaftlicher Strukturen durch Politik usw. sein.

Meist wird Gestaltung jedoch als bewusste Modifikation der ästhetischen Erscheinung von Dingen, Informationen usw. verstanden und auch als Formfindung oder Formgebung bezeichnet, wobei die Form abstrakt, zwei- oder dreidimensional sein kann.

Damit verweist der Begriff auf einen bewussten Handlungsvorgang (die Tätigkeit oder der Prozess des Entwerfens) oder auch dessen Ergebnis (Produkt, Plan, Modell, Darstellung oder Aussehen, Gesamtentwurf).

Das Verhältnis der Begriffe „Design“ und „Gestaltung“ ist ambivalent: häufig als gleichbedeutend interpretiert, gibt es doch eine Differenzierung in der Wortwahl:

Im 19Jh. fand der Begriff „Gestaltung“ mit Beginn der Herstellung und somit der Formgebung industriell gefertigter Massengüter als Berufsbezeichnung Anwendung;

Auch „industrielle Formgebung“, „Industrie-Entwurf“ oder „Werkkunst“ wurden in diesem Zusammenhang verwendet.

Ziel war eine Abwendung von Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk.

Während bis in die 70er Jahre hinein in nicht englischsprachigen Ländern Design als Synonym aufgrund der Assoziation mit banaler, oberflächlicher Produktkosmetik häufig abgelehnt wurde, etablierte sich der Begriff „Design“ im europäischen Sprachraum in den vergangenen Jahrzehnten als international anerkannte Bezeichnung für das Berufsfeld der Gestaltung sowie dessen Gegenstand und Ergebnis

Mittlerweile ist Design jedoch zum Modewort geworden, das in vielerlei Bereichen inflationär ge- und missbraucht wird:

Design-Teppich, Designer-Küche, Nagel-Design: Design ist ein Marketingargument und wird als solches in jedem erdenklichen Zusammenhang eingesetzt.

So ist wiederum eine gegenläufige Tendenz zu erkennen:

Zahlreiche Büros und Agenturen verwenden den Begriff „Gestaltung“ heute in ihrem Titel, um sich von dem Vorwurf des puren Stylings abzugrenzen um auf ein umfassendes Verständnis ihrer Profession hinzuweisen.

Dennoch wird im internationalen Kontext „Design“ meist äquivalent mit „Gestaltung“ verwendet.

Das deutsche Wort „Gestalt“ hat im Zusammenhang mit der Gestalttheorie, eine Forschungsrichtung aus der Psychologie, Eingang in den US-amerikanischen Sprachgebrauch gefunden:

Die Gestalttheorie ist ein Ansatz aus der Gestaltpsychologie, der sich mit der Entstehung von Ordnung im psychisch wahrnehmbaren Geschehen befasst.

Basis der Gestaltpsychologie sind die Arbeiten des Philosophen Christian von Ehrenfels aus dem Jahr 1890. Dieser bezweifelte entgegen den damals üblichen atomistischen Strömungen der Psychologie, dass eine Zerlegung eines Phänomens in seine Einzelteile tatsächlich zu einer Erkenntnis über den Untersuchungsgegenstand führen könne und berichtete von Qualitäten der Wahrnehmung, die sich aus der Betrachtung des Ganzen ableiten.

Von Ehrenfels bezeichnete diese als „Gestaltqualitäten“ und propagierte eine ganzheitliche Betrachtungsweise.

In der so genannten „Berliner Schule“ entwickelten Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Koffka und Kurt Lewin Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Ansatz weiter und betrieben umfangreiche experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Wahrnehmung.

Sie formulierten folgende Kernpositionen:

- Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile.

- Die Wahrnehmung des Ganzen unterscheidet sich von der Addition der Wahrnehmung der Einzelteile.

- Die Teilelemente stehen zueinander in Beziehung und beeinflussen somit die Wahrnehmung des Ganzen, abhängig von der jeweiligen Struktur dieser Beziehung.

- Die Eigenschaften der Einzelinhalte verändern sich durch ihre Zugehörigkeit zu einem Ganzen ebenfalls.

Dieser Ansatz wird als Gestalttheorie bezeichnet, auch um auf eine Relevanz für andere Wissenschaftsgebiete außerhalb der Psychologie zu verweisen:

Die Aussagen zur Gestaltqualität beeinflussten Forscher verschiedener Disziplinen, die eine alternative Methode zur Analyse durch Aufspaltung des Untersuchungsobjektes in seine einzelnen Bestandteile suchten.

Max Wertheimer definierte auf dieser Grundlage die so genannten Gestaltgesetzte, welche bestimmen, was visuell als Einheit wahrgenommen wird und was sich gegeneinander abgrenzt. Grenzen verlaufen demnach an „Qualitätssprüngen“, also an Stellen, an denen nach Wertheimer zwei unterschiedliche Qualitäten möglichst übergangslos zusammenstoßen und das entstehende Ganze möglichst einheitlich ist.

Das Gesetz der Prägnanz, auch das Gesetz der guten Gestalt genannt, ist den anderen Gestaltgesetzten übergeordnet:

Einzelelemente einer Darstellung werden zu Gestalten zusammengeschlossen, da optische Eindrücke aufgrund prägnanter Eigenschaften vom Wahrnehmungssystem zusammengeführt werden.

In mehrdeutigen Darstellungen werden bevorzugt Elemente wahrgenommen, die sich von anderen durch ein bestimmtes Merkmal abheben, so dass das Bild nicht als komplex und unvollständig, sondern als einfach und vollständig interpretiert wird.

- Gesetz der Nähe: Elemente in räumlicher Nähe werden als zusammgehörig wahrgenommen.

- Gesetz der Ähnlichkeit: Einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig empfunden als einander unähnliche.

- Gesetz der Kontinuität: Reize, die eine Fortsetzung vorangehender Reize zu sein scheinen, werden als zusammengehörig angesehen. Objekte werden zeitlich aufeinander bezogen, so kann der Eindruck einer Bewegung entstehen.

- Gesetz der Geschlossenheit: Einzelne Elemente, die eine Fläche umschließen, werden in der Regel als Einheit oder Muster aufgefasst; bei Bedarf werden Lücken geschlossen und fehlende Informationen ergänzt, um das Muster zu vervollständigen.

- Gesetz des gemeinsamen Schicksals: Zwei oder mehrere Elemente werden als Einheit oder Gestalt wahrgenommen, wenn sie sich in die gleiche Richtung bewegen.

- Gesetz der fortgesetzt durchgehenden Linie: Linien werden immer so gesehen, als folgen sie dem einfachsten Weg. Kreuzen sich zwei Linien, so geht der Betrachter nicht davon aus, dass der Verlauf der Linien an dieser Stelle einen Knick macht.

Stephen E. Palmer definierte in den 90er Jahren folgende Gestaltgesetze:

- Gesetz der gemeinsamen Region: Elemente in abgegrenzten Gebieten werden als zusammengehörig empfunden.

- Gesetz der Gleichzeitigkeit: Elemente, die sich gleichzeitig verändern werden als zusammengehörig empfunden.

- Gesetz der verbundenen Elemente: Verbundene Elemente werden als ein Objekt empfunden.

Mittlerweile wurden über hundert Gestaltgesetze nachgewiesen. Teilweise finden diese, insbesondere in der Interfacegestaltung, direkte Anwendungen im Design-Bereich. Zahlreiche Forscher, die sich mit der Gestaltpsychologie befassten, emigrierten in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA, wo sie ihre wissenschaftliche Arbeit fortsetzten. Dies hatte eine bemerkenswerte Weiterverbreitung und Entwicklung zur Folge, welche später nicht nur in den USA, sondern auch in Italien und Japan stattfand. In Deutschland wurde die Forschung der Gestalttheoretiker ebenfalls fortgesetzt, unter anderem durch Wolfgang Metzger, der bei Köhler und Wertheimer studiert hatte.

In einer interdisziplinären Diskussion zwischen Designern, Philosophen und Sozialwissenschaftlern über eine Gestaltung von komplexen intellektuellen, kommunikativen und sozialen Prozessen wurde die Gestalttheorie in den letzten Jahren wiederentdeckt und neu interpretiert.

Bernhard von Mutius fordert in diesem Zusammenhang die Ausbildung einer „Gestalt-Kompetenz“, welche den Designer befähigt, komplexe intellektuelle Herausforderungen zu bewältigen, die im Kontext der Informationsgesellschaft entstehen:

Das Berufsbild wird zunehmend von Wissen, Prozessen und Systemen dominiert.

Der Begriff „Gestaltung“ muss deshalb vermehrt auf immaterielle Objekte bezogen werden.

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Kultursemiotik

Posner, Roland/Schmauks, Dagmar: „Kultursemiotik“ In: Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 2001

Kultursemiotik (lat. cultura: Landbau, Pflege; gr. semeion: Zeichen), die theoretische Reflexion über Kultur lässt sich bis Cicero zurückverfolgen.

Sie ging lange von einseitigen Definitionen aus und beschränkte sich auf bestimmte Aspekte von Kultur; erst die moderne Anthropologie und Semiotik untersuchten Kultur als einheitliches Phänomen.

Die Anthropologie unterscheidet soziale, materiale und mentale Kultur und die Semiotik stellt diese drei Gegenstandsbereiche in einen systematischen Zusammenhang, indem sie

eine soziale Kultur als eine strukturierte Menge von Zeichenbenutzern (Individuen, Institutionen, Gesellschaft) definiert,

die materiale Kultur als eine Menge von Texten (Zivilisation)

und die mentale Kultur als eine Menge von Codes.

Kultursemiotik im engeren Sinn beginnt bei E. Cassierer, der eine Kultur als Gesamtheit von symbolischen Formen charakterisiert und diese zum zentralen Gegenstand der Semiotik erklärt.

Der breitesten und überaus produktiven Definition der Tartu-Moskauer Schule zufolge ist Kultur die hierarchisch geordnete Gesamtheit aller Zeichensysteme, die in der Lebenspraxis einer Gemeinschaft verwendet werden.

Von diesen sind manche dauerhaft (Bild, Statue, Gebäude, Gesetzestext), andere nur in ihrem Vollzug wahrnehmbar, der entweder einmal (Happening) oder häufiger stattfindet (Gottesdienst).

Auch elementare Verhaltensweisen sind kulturell geformt, da jede Kultur etwa festlegt, wie eine bequeme Ruhehaltung aussieht und wie viel Schmerz man artikulieren darf.

Dieser semiotische Ansatz ist in Fortführung des Strukturalismus holistisch und dynamisch; ihm zufolge gibt es weder isolierte noch statische Zeichensysteme.

Er macht es möglich, die kulturelle Entwicklung als Übergang zu immer komplexeren Zeichenfunktionen zu verstehen.

Unter evolutionärer Perspektive wird ein Kontinuum zwischen Natur und Kultur angenommen, so dass kulturelles Handeln oft als Fortsetzung von natürlichem Verhalten gilt (z.B. Nestbau – Hausbau).

Nach Ju. Lotman ist jede Kultur als System konzentrischer Sphären rekonstruierbar, die von innen nach außen das kulturell Zentrale, kulturell Periphere, Nichtkulturelle und Außerkulturelle enthalten.

Dieses Modell erlaubt es, den Mechanismus des Kulturwandels zu beschreiben, der in der zunehmenden Semiotisierung der Welt besteht und an den Grenzen dieser Sphären stattfindet.

Der Übergang vom Außenkulturellen zum Nichtkulturellen setzt ein, wenn eine Kultur einen neuen Objektbereich entdeckt, ihn durch einen rudimentären Code erfasst und zum bekannten Wissensbestand in Beziehung setzt.

An der Grenze zwischen Kultur (Lotman spricht von >Semiosphäre<) und Nichtkultur entsteht ein Bedürfnis nach Übersetzung fremder Texte, die folglich Sinnbildungsprozesse in Gang setzen.

Hier definiert eine Kultur ihre eigene Identität, so dass nach Einverleibung des vorher Fremden ein Bedarf nach neuen derartigen Herausforderungen entsteht.

Im Inneren einer Kultur gibt es eine Binnengliederung in Zentrales und Peripheres.

Hier entsteht Dynamik, weil jeder Code dazu tendiert, eine zentrale Stelle einzunehmen, die durch weite Verbreitung, häufige Verwendung und hohes Prestige gekennzeichnet ist.

Zentrale Codes werden immer weiter verfeinert, standardisiert und automatisiert und greifen schließlich auf andere Zeichensysteme über.

Sobald diese wachsende Dominanz sie starr und damit unattraktiv macht, werden sie wiederum von flexibleren Codes verdrängt.

Dieser zyklische Prozeß verläuft in allen Bereichen jedoch unterschiedlich schnell: natürliche Sprachen verändern sich viel langsamer als ideologische Systeme.

Er lässt sich nur aufhalten, wenn alternative Codes für denselben Objektbereich nebeneinander bestehen. Günstig ist jeweils ein mittleres Ausmaß von innerer Vielfalt, da zu viele Codevarianten zu Chaos führen und zu wenige zu Stagnation.

Kulturwandel mit vorhersehbaren Ergebnissen nennt Lotman >Evolution<.

Den nicht vorhersagbaren Fall bezeichnet er als >Ausbruch< und lokalisiert ihn v.a. im Bereich von Kunst und Mode.

Dieser semiotische Ansatz erlaubt es auch, interkulturelle Prozesse zu beschreiben, etwa die Integration des Einzelnen in eine andere Kultur,

die Übernahme fremder Artefakte und Wertsysteme

sowie die Zitate fremdkultureller Zeichen.

Kultursemiotische Detailuntersuchungen beschäftigen sich mit bestimmten Arten des menschlichen Handelns und dessen Resultaten.

Jedes Werkzeug etwa ist eine Materialisierung von Erfahrungen, denn es weist bereits durch seine Gestaltung auf seine Funktion hin, wobei verschiedene Reflexionsstufen unterscheidbar sind.

Auf der niedrigsten Stufe wird ein Gebrauchswert zufällig entdeckt:

Man stellt etwa fest, das sich ein Fels zum sitzen eignet.

Das einfachste künstliche Pendant ist ein Hocker, während ein Stuhl bereits das zusätzliche Bedürfnis nach Bequemlichkeit erfüllt.

Auf den nächsten Stufen wird der Zweck der Artefakte explizit gekennzeichnet (Sessel) oder gar zelebriert (Thron).

Der Übergang zu höheren Stufen bewirkt eine Standardisierung der Objekte und zugleich eine Automatisierung des Umgangs mit ihnen.

Zeitgenössische Kulturen können in ihrer Gesamtheit untersucht werden, zu der auch flüchtige Gebilde gehören wie Tischdekorationen, Fernsehinterviews oder Großrituale.

Dir Archäologie hingegen kann sich oft nur auf materielle Zeugnisse stützen.

Auch hier hat sich eine umfassendere Perspektive durchgesetzt, die von den Objekten auf ihre Hersteller schließt und auf andere Kontexte, in denen sie verwendet wurden.

Irrtümer sind nie auszuschließen, da Objekte oft mehrere Funktionen haben oder in einen anderen Kontext übernommen wurden.

Ein bes. Typ von Artefakten sind Texte, d.h. Zeichenkomplexe, die durch eine festgelegte Bedeutung gekennzeichnet sind.

Der Textbegriff, der ursprünglich nur geschriebene Texte umfasste, wurde Anfang des 20Jh.s zunächst auf mündliche Äußerungen ausgedehnt und dann immer weiter, so dass heute jedes codierte Zeichentoken als Text gilt, sei es Bild, Musikstück multimediale Installation.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gesellschaft wird durch Rituale und Inszenierungen stabilisiert, die oft eine Grenze zwischen semiotischen Sphären thematisieren, z. B. die Transzendenten (Gottesdienst), zur konkurrierenden Kultur (Sport, Quiz), zur Tierwelt (Zoo, Zirkus) oder Pflanzenwelt (Gärten, Parks).

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Wirklichkeitsbegriff

Schmidt, Siegfried J. : „Wirklichkeitsbegriff“ In: Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 2001

>Wirklichkeit<, so formulierte D. Benn in den 20er Jahren des 20.Jh.s,

ist >Europas dämonischer Begriff<.

Seitdem die gr. Philosophen in einer undurchschauten dualistischen Startoperation mit Hilfe von Dichotomien wie Sein/Schein, Subjekt/Objekt, Sprache/Bedeutung, Wirklichkeit/Erkenntnis zu denken begannen, laboriert die europ. Philosophie an dem Problem herum, wie die automatisch reifizierten der Dichotomie erkannt und ihre Beziehung zueinander bestimmt werden kann.

Bis in die Neuzeit dominiert dabei die Vorstellung, Wirklichkeit sei das peri échon, gleichsam der Raum, in dem die Objekte und Ereignisse unserer Lebenswirklichkeit positioniert sind.

Neben der dominanten Auffassung, Wirklichkeit sei das unabhängig von den Subjekten Bestehende, das durch geeignete kognitive Operationen (^Kognition) objektiv erkennbar sei, hat sich seit Demokrit und den Skeptikern bis hin zu Konstruktivisten (^Konstruktivismus, radikaler) und Systemtheoretikern (^Systemtheorie) der Gegenwart eine alternative Argumentation entfaltet, wonach Wirklichkeit nicht von Wahrnehmung und Erkennen und damit auch nicht von den erkennenden und wahrnehmenden Systemen getrennt werden kann.

Wenn wir aber in der Wahrnehmung nicht hinter die Wahrnehmung zurückgehen können, dann können wir über eine wahrnehmungs-jenseitige Wirklichkeit nichts aussagen.

Damit wird Wirklichkeit nicht etwa geleugnet, sondern die Hypothese vertreten, dass Wirklichkeit aus ^empirisch hoch konditionierten Prozessen des kognitiven, kommunikativen und poietischen Handelns von sozial interagierenden Aktanten im Rahmen einer Kultur resultiert (^Wirklichkeitskonstruktion).

Damit wird der Wirklichkeitsbegriff prozessualisiert und temporalisiert, aber auch pluralisiert; denn nun ist die Konsequenz unvermeidlich, dass es genau so viele Wirklichkeiten gibt wie wirklichkeitskonstruierende Systeme.

Aus der Einsicht in diese neue Ausgangsposition jedes Denkens ergeben sich erhebliche Anforderungen an unseren Umgang mit anderen Menschen, Kulturen und sozialen Institutionen, die jeden Anspruch auf absolute Wahrheiten sowie die Überlegenheit der eigenen Kultur obsolet machen und jedem von uns ein hohes Maß an Toleranz und Verantwortung abverlangen.

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