oswald schwemmer

„Unsere kulturelle oder individuelle Identität wurzelt in einem geordneten Gefüge von Ausdrucks- und Wahrnehmungs-, von Denk- und Handlungsformen, von Formen des Fühlens und Wollens, die uns als Muster in unserem Leben eine Orientierung bieten.
[…]
Unsere persönliche und unsere kulturelle Identität sind nicht zu trennen, aber sie sind nicht dasselbe. Durchtränkt von und verwurzelt in den kulturellen Symbolwelten, wird uns die Arbeit an der Selbstgestaltung nicht erspart.“

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Umberto Eco

Umberto Eco im Gespräch mit Branca Le Comte Bogavac: „Der Roman und das Wissen“. In: Lettre Inetrnational 84, Berlin 2009

lettre 84Ich glaube also, dass der Mensch von Kultur und der Künstler sich, jeder auf seine Weise, in einer Welt bewegen, indem sie sich verschiedene „Rahmen“ vorstellen, die geeignet sind, die Dinge auf andere Weisen zu erklären. Sie halten plötzlich vor etwas inne, das für jemand anderes belanglos ist und denken, dass diese Sache in Bezug auf einen neuen Rahmen erheblich werden könnte.

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Constantin von Barloewen

von Barloewen, Constantin: „Arena oder Agora – Fortschritt und menschliche Würde in der Pluralität der Kulturen“. In: LETTRE 81, Berlin 2008, S.110-111

[…] Jede Kultur liefert viele verschiedene Antworten auf im Grunde gleiche anthropologische Fragen. Es gibt folglich Kristallisationspunkte, die alle Kulturen durchdringen. Im Visier stehen die existenziellen Parameter. Menschliche Würde und Fortschritt sind solche anthropologische Konstanten.

pdf – „Arena oder Agora“ – Zitatensammlung aus dem Artikel

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Peter Sellers

Sellars, Peter: „Kultur der Demokratie“. In: LETTRE 66, Berlin 2004, S.111-114

[…] Das großartige an Kultur ist, das sie durch Begegnungen und Reisen entsteht.

pdf – „Kultur der Demokratie“ – Zitatensammlung aus dem Artikel

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Gestalt

Kuhn, Tobias: „Gestalt“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

Der Begriff „Gestalt“ kann auf unterschiedliche Weise erläutert werden. Es gibt die physische und die metaphysische oder theoretische Betrachtungsweise.

Die Synonyme „Form“, „Umriss“, „Figur“, „Wuchs“ und „Erscheinung“ stehen für die physische Verortung, die Gestalt als Teil der realen Umwelt sicht- und fühlbar werden zu lassen.

Hingegen zeigen Synonyme wie „Habitus“, „Charakter“ und „Person“, die theoretische und damit auch psychische und philosophische Bedeutung.

In der Philosophie selbst war und ist die Untersuchung der Beziehung zwischen Gestalt (griechisch: „morphe“ bedeutet „Form“), Wahrnehmung und Wirklichkeit zentrales Thema.

In der Psychologie wird Gestalt auch als „Summe des Ganzen“ gesehen, jedoch gibt es hier keine wissenschaftlich eindeutige Definition.

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Kultur

Heijl, Peter M. : „Kultur“ In: Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 2001

Kultur (lat. Cultura: Pflege, Landbau) bezeichnet in der Alltagssprache und in der Wissenschaft sehr unterschiedliche Phänomene und ist zusammen mit Zivilisation (von frz. Civilisation, einer Neubildung des 18.Jh.s aus civilité von lat. civilitas; Zivilisationstheorie) zu erörtern.

Wie kaum ein anderes Begriffspaar sind Kultur und Zivilisation Teil der europ. (v.a. frz.-dt.) Auseinandersetzung um die politische und intellektuelle Führungsposition in Europa, sowie der Ausbildung der jeweiligen nationalen Identität (im Sinne von nation-building).

Kultur wird in Frankreich in der Grundbedeutung >Pflege< seit dem 16.Jh. verwendet. Das Wort kann sich dabei auf konkrete äußere Gegenstände beziehen.

Culture bezeichnet so den Anbau unterschiedlicher Nutzpflanzen, z.B. culture de la vigne.

Gepflegt werden kann aber auch die innere Natur des Menschen: Kultur von Geistigem, etwa als culture des sciences. Das Wort bezeichnet den Prozeß und sein Ergebnis.

Kultur als Pflege menschlichen Denkens und Handelns konnotierte auch die Verbesserung der Sitten.

Damit geriet Kultur in Konkurrenz zu Wörtern wie civilité, politesse, police usw.

Im 18.Jh. entsteht die wohl auf Mirabeau zurückgehende Umformung von civilité zu civilisation mit der Bedeutung >Sittenverbesserung<.

Wie Kultur wird civilisation auf den Vorgang und auf das Ergebnis angewandt. Bereits im 18.Jh. erhält der Begriff auch eine geschichtsphilosophische Bedeutung. Er bezeichnet nunmehr die historische Entwicklung der Menschheit. Sie wird, etwa bei den Enzyklopädisten, im Sinne der Aufklärung als Höherentwicklung zu Selbstständigkeit, Freiheit, Frieden, Abschaffung der Sklaverei und Sieg über die Armut verstanden.

Während civilisation im Singular ein wertender Begriff ist, bezeichnet etwa seit 1820 die Pluralform civilasations Völker mit jeweils spezifischen Sprachen, Sitten, Normen, usw. In dieser Form wurde der Begriff zu einem Fachbegriff der Anthropologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Soziologie, wo er weitgehend synonym mit Kultur verwendet wird.

Napoleon setzte den Zivilisationsbegriff propagandistisch ein. Nach seiner Niederlage wurden nationaler Gedanke und civilisation als universelles Fortschrittskonzept verbunden.

Während des 19.Jh.s wurden so viele außenpolitische Aktivitäten Frankreichs als Erfüllung des selbsterteilten zivilisatorischen Auftrags dargestellt.

Die Entwicklung des dt. Kulturbegriffs und seine Unterscheidung von >Zivilisation< muß vor diesem Hintergrund sowie vor dem des politischen Scheiterns des dt. Bürgertums gesehen werden.

S. Pufendorf brauchte bereits im 17.Jh. cultura als Gegenbegriff zum Naturzustand und zur Barberei.

Als Wertbegriff kennzeichnete Kultur so eine Seinsform, die sich über den Naturzustand erhebt. In stärkerem Maße wurde Kultur in Deutschland jedoch erst im 18.Jh. gebraucht, zunächst v.a. als Fachterminus in der Land- und Forstwirtschaft.

Durch die Beschäftigung mit der frz. Aufklärung breitete sich etwa ab 1760 Kultur auch in der übertragenen Bedeutung aus.

Dabei stellte man einem Naturzustand einen Kulturzustand gegenüber.

Die Konzeption einer Persönlichkeitskultur entstand.

Unter dem Einfluß des Hofes in Versailles entwickelte sich parallel zu diesem inneren und subjektiven Aspekt der einer objektiven Kultur.

Beides wurde in der dt. Tradition v.a. auf die Vervollkommnung des Einzelmenschen bezogen.

Er kann seine >Freiheit< zwar im ökonomischen, sonst aber v.a. im Bereich wissenschaftlicher und künstlerischer Aktivitäten verwirklichen, die Politik bleibt ihm versperrt.

In der Mitte des 19Jh.s wurde der Kulturbegriff aufgespalten.

Neben dem aus der Goethezeit stammenden Kulturbegriff trat nun der wissenschaftliche Kulturbegriff (Kulturtheorie).

Zurückgehend auf J. Burckhardts Kultur der Renaissance in Italien (1860) >>entstand der heute gebräuchliche zeit- und raumbezogene Kulturbegriff als Ausdruck eines einheitlichen vergangenen oder gegenwärtigen Geschichtskörpers[…] Kultur wird zum seelischen Gesamtzustand einer Zeit und einer Nation<< (Pflaum 1967, S.291).

Kultur wurde damit nicht mehr auf Einzelmenschen als Teil der Menschheit insgesamt, sondern auf abgrenzbare soziale Gruppen bezogen. Damit konnten Kulturen als Individuen beschrieben, analysiert und verglichen werden. Dies führte zu einer nicht mehr wertenden, sondern deskriptiven Definition, wie sie E.B. Tylor im Anschluß an die Diskussion in Deutschland bereits 1870 verwendete: >>Kultur oder Zivilisation, […] ist das komplexe Ganze, das Wissen, Überzeugungen, Kunst, Gesetze, Moral Tradition und jede andere Fertigkeit und Gewohnheit einschlißt, die Menschen als Mitglieder einer Gesellschaft erwerben<< (A.L.Kroeber/C. Kluckhohn 1967, S.81).

Verglichen mit dem Präzisionsgewinn durch den wissenschaftlichen Kulturbegriff blieb der Wortgebrauch in der Alltagssprache bis heute vage, aber positiv wertend.

Zivilisation trat in Deutschland im Anschluß an den frz. Gebrauch als >Sittenverfeinerung< auf, wurde jedoch bereits seit der zweiten Hälfte des 18.Jh.s innerhalb des innen/außen – Dualismus mit Kultur kontrastiert. ?

Der Kultur – Zivilisation – Dualismus entstand.

Zurückgehend auf I. Kant wurde Zivilisation als bloß äußerlich verstanden, während Kultur die innere Verfeinerung meinte, ein Vorwurf, den das Bürgertum kontinuierlich dem besonders von Frankreich beeinflussten Adel machte.

Damit sprach es Bildung als Teil von Kultur einen Wert zu, durch den der Gebildete und (der) Kultivierte Gleichrangigkeit mit dem Adel beanspruchte, wenn nicht gar Überlegenheit.

J.H. Pestalozzi assoziierte Zivilisation mit >Masse< und sprach von >kulturlosen Civilisationskünsten<, während er Kultur für etwas >Organisches, Innerliches< hielt.

Obwohl etwa von 1850 bis 1880 oft synonym verwendet, wurden die Begriffe danach verschärft als Antithesen gefasst. Schätze man zunächst die Industrialisierung positiv ein, so änderte sich das, als die ersten Umweltveränderungen deutlich wurden, als die zwar erfolgreiche aber auch krisenhaft verlaufende Industrialisierung Deutschlands viele Menschen existenzieller Not aussetzte und das Land sich gegen Konkurrenz von außen abschottete.

Damit einher ging die konservative Wende der Politik Bismarcks 1878/79 (Wehler 1995, S.934ff.). Sie verschärfte und instrumentalisierte einerseits den exklusiven Nationalismus. Andererseits wuchs auch die Angst vor der sich organisierenden Arbeiterschaft.

Nach 1880 wurde >Zivilisation< zum Schlagwort der konservativen Gesellschafts- und Technikkretik.

Schließlich ging der Begriff in die Schriften der Volkstumpropagandisten und in rassistische Diskurse (u.a. H.S. Chamberlain, L. Woltmann, A. Wirth) ein, findet sich aber ebenso bei Denkern und Künstlern wie R. Wagner, F.W. Nietzche, A. Schäffle und R. Eucken.

Die eigene >innere< Kultur wurde zu dem, worin man sich von anderen Nationen zu unterscheiden glaubte, bes. von Frankreich, bei dem der Zivilisationsbegriff eine trotz aller Differenzen mit dem Kulturbegriff vergleichbare Funktionen hatte.

Die Differenz von Kultur und Zivilisation war damit bis zum Ersten Weltkrieg und seiner Propaganda auf beiden Seiten außenpolitisches Kampfinstrument, in Deutschland überdies Teil des politisch konservativen Begriffsrepertoires und der Abgrenzung des Bürgertums von der Arbeiterschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu nachhaltigen Reorientierungen.

Im wissenschaftlichen Bereich sieht man heute, auch unter anglo-am. Einfluß, die Differenz von Kultur und Zivilisation als vernachlässigbar an.

Die Differenz lebt jedoch im unscharfen Alltagsgebrauch fort.

Soweit die Geisteswissenschaften nicht die wissenschaftliche Bedeutung von Kultur aufnehmen, findet sich in ihnen eine Tendenz, an die dt. Tradition der Jh.wende anzuschließen.

So wird Kultur oft exklusiv auf Kunst und Literatur bezogen und als >höhere Kultur< von der >Massenkultur< unterschieden.

Bereiche wie Bildung, Wissenschaft oder Technik, ebenso aber auch die Gestaltung von Städten oder Produkten werden kaum eingeschlossen, obwohl dies dem wissenschaftlichen Kulturbegriff entsprechen würde.

Vorschläge zur Präzisierung des Kulturbegriffs sind in jüngster Zeit von Seiten der Kulturökologie und v.a. Kultursemiotik sowie im Zusammenhang der Debatten um eine Kulturwissenschaft unterbreitet worden.

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Design

Erlhoff Michael; Marshall, Till: „Design“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

[…] Das Wort Design stammt aus dem lateinischen Wort „designare“, was man übersetzen könnte als „erläutern“, „beschreiben“, „markieren“, „bezeichnen“.

Im Laufe der Geschichte wandelte sich diese Bedeutung von einer Bezeichnung für viele menschliche Aktivitäten hin zu der heutigen Bestimmung professioneller Praxis und spezifischen Denkens. […]

Tatsächlich war es Leonardo da Vinci, der einst die erste Akademie für „disegno“ begründete; so verknüpfte die damalige Vorstellung von Design die Arbeit an der Kunst und die Konstruktion von Gegenständen und Räumen und kannte noch keinen Widerspruch zwischen Kunst und anderen Formen von Gestaltung, andererseits jedoch könnte man jene Akademie auch als erstes Anzeichen dafür verstehen, eine in bestimmter Weise praktizierende Person als „Designer“ zu bezeichnen.

Irgendwie aber verschwand die Kategorie und ihre Bedeutung innerhalb allgemeiner Vorstellungen von Handwerklichkeit und tauchten erst im Rahmen entwickelter Industrialisierung in neuer Bedeutung wieder auf, was selbstverständlich sowohl mit eben diesen neuen Produktionsweisen und -bedingungen als auch mit radikal veränderten Vertriebsstrukturen zu tun hatte. […]

Loewy war der erste Gestalter, der sich von der Originalitätswut der Künstlerinnen und Künstler und des Kunsthandwerks eindeutig distanzierte, eben nicht mehr alles jeweils als originär oder als grundlegend neu zu gestalten vorgab, vielmehr Design als Qualität permanenter Verbesserung des Bestehenden, als Entwicklungsprozess, als nutzerorientiert, als immanent widersprüchlich und als zutiefst verwickelt verstand und umsetzte.[…]

Also entwickelte er in seiner Arbeit jene Perspektive, Design als eine ungeheuer komplexe Aufgabe zu erfahren, die psychischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen, ökologischen Bedingungen verständlich zu machen und stets zu verbessern.[…]

Design als Forschung zu verstehen: Diese Diskussion wird seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit wachsender Intensität und Kompetenz vorangetrieben und bildet heute einen wesentlichen Faktor innerhalb der Entwicklung von Design.

Damit einher ging aber auch, Design zunehmend als Prozess zu verstehen, nicht mehr einzelne Dinge und Zeichen zu gestalten, vielmehr Kontexte und Bedingungen komplexer Produktion und Nutzung.

Was schon zu jener Zeit verdeutlichte, dass Design ein interdisziplinärer und kooperativer Auftrag ist. […]

Im Verlaufe des 20ten Jahrhunderts allerdings tendierte auch Design dazu, sich zu spezialisieren, so dass heute beispielsweise die Rede ist von Service Design, Event Design, Licht-Design, Branding und so weiter.

[…] seitens gesellschaftlicher Realität ebenso wie durch unternehmerische Aufgaben ist Design neu gefordert, komplizierte Probleme zu erörtern und in Angriff zu nehmen – womit sich das Verständnis von Design verändert und erweitert hat, der Design-Prozess eher als forschend konzeptionell, strategisch und umfangreich planend aufscheint und das Design sehr viel mehr Verantwortung und Einfluss erhalten hat.

Gewiss, in der Praxis – und somit auch in der Erläuterung dessen, was Design sein mag oder nicht – findet man beides:

Designerinnen und Designer, die in Unternehmen, Design-Studios und Agenturen höchst spezialisiert arbeiten und kleinste Details gestalten.

Andererseits arbeiten längst etablierte Designerinnen, Designer und Design-Teams höchst innovativ für komplexe Projekte und im Rahmen von Unternehmensentwicklung und

-beratung für die Gestaltung von Dienstleistungssystemen, logistischen Strukturen und für nachhaltige Programme, so dass sie als spezialisierte Generalisten aktiv und erfolgreich tätig sind. […]

Festzuhalten […] bleibt, dass Praxis und Reflektion von Design insgesamt tradierte Strukturen von Planung und Denken und auch die von Berufen und wissenschaftlichen Standards radikal und fruchtbar in frage stellt und ihnen neue Wege produktiven Handelns weist.

Womit das Design sehr seriös und beherzt auf diejenigen setzt, die mit ihm umgehen, es nutzen und alltäglich neu formulieren, eben im Gebrauch Entwürfe und das Design insgesamt realisieren.

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