Design

Erlhoff Michael; Marshall, Till: „Design“.

In: Erlhoff, Michael; Marshall Tim (Hg.): Wörterbuch Design. Basel 2008.

[…] Das Wort Design stammt aus dem lateinischen Wort „designare“, was man übersetzen könnte als „erläutern“, „beschreiben“, „markieren“, „bezeichnen“.

Im Laufe der Geschichte wandelte sich diese Bedeutung von einer Bezeichnung für viele menschliche Aktivitäten hin zu der heutigen Bestimmung professioneller Praxis und spezifischen Denkens. […]

Tatsächlich war es Leonardo da Vinci, der einst die erste Akademie für „disegno“ begründete; so verknüpfte die damalige Vorstellung von Design die Arbeit an der Kunst und die Konstruktion von Gegenständen und Räumen und kannte noch keinen Widerspruch zwischen Kunst und anderen Formen von Gestaltung, andererseits jedoch könnte man jene Akademie auch als erstes Anzeichen dafür verstehen, eine in bestimmter Weise praktizierende Person als „Designer“ zu bezeichnen.

Irgendwie aber verschwand die Kategorie und ihre Bedeutung innerhalb allgemeiner Vorstellungen von Handwerklichkeit und tauchten erst im Rahmen entwickelter Industrialisierung in neuer Bedeutung wieder auf, was selbstverständlich sowohl mit eben diesen neuen Produktionsweisen und -bedingungen als auch mit radikal veränderten Vertriebsstrukturen zu tun hatte. […]

Loewy war der erste Gestalter, der sich von der Originalitätswut der Künstlerinnen und Künstler und des Kunsthandwerks eindeutig distanzierte, eben nicht mehr alles jeweils als originär oder als grundlegend neu zu gestalten vorgab, vielmehr Design als Qualität permanenter Verbesserung des Bestehenden, als Entwicklungsprozess, als nutzerorientiert, als immanent widersprüchlich und als zutiefst verwickelt verstand und umsetzte.[…]

Also entwickelte er in seiner Arbeit jene Perspektive, Design als eine ungeheuer komplexe Aufgabe zu erfahren, die psychischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen, ökologischen Bedingungen verständlich zu machen und stets zu verbessern.[…]

Design als Forschung zu verstehen: Diese Diskussion wird seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit wachsender Intensität und Kompetenz vorangetrieben und bildet heute einen wesentlichen Faktor innerhalb der Entwicklung von Design.

Damit einher ging aber auch, Design zunehmend als Prozess zu verstehen, nicht mehr einzelne Dinge und Zeichen zu gestalten, vielmehr Kontexte und Bedingungen komplexer Produktion und Nutzung.

Was schon zu jener Zeit verdeutlichte, dass Design ein interdisziplinärer und kooperativer Auftrag ist. […]

Im Verlaufe des 20ten Jahrhunderts allerdings tendierte auch Design dazu, sich zu spezialisieren, so dass heute beispielsweise die Rede ist von Service Design, Event Design, Licht-Design, Branding und so weiter.

[…] seitens gesellschaftlicher Realität ebenso wie durch unternehmerische Aufgaben ist Design neu gefordert, komplizierte Probleme zu erörtern und in Angriff zu nehmen – womit sich das Verständnis von Design verändert und erweitert hat, der Design-Prozess eher als forschend konzeptionell, strategisch und umfangreich planend aufscheint und das Design sehr viel mehr Verantwortung und Einfluss erhalten hat.

Gewiss, in der Praxis – und somit auch in der Erläuterung dessen, was Design sein mag oder nicht – findet man beides:

Designerinnen und Designer, die in Unternehmen, Design-Studios und Agenturen höchst spezialisiert arbeiten und kleinste Details gestalten.

Andererseits arbeiten längst etablierte Designerinnen, Designer und Design-Teams höchst innovativ für komplexe Projekte und im Rahmen von Unternehmensentwicklung und

-beratung für die Gestaltung von Dienstleistungssystemen, logistischen Strukturen und für nachhaltige Programme, so dass sie als spezialisierte Generalisten aktiv und erfolgreich tätig sind. […]

Festzuhalten […] bleibt, dass Praxis und Reflektion von Design insgesamt tradierte Strukturen von Planung und Denken und auch die von Berufen und wissenschaftlichen Standards radikal und fruchtbar in frage stellt und ihnen neue Wege produktiven Handelns weist.

Womit das Design sehr seriös und beherzt auf diejenigen setzt, die mit ihm umgehen, es nutzen und alltäglich neu formulieren, eben im Gebrauch Entwürfe und das Design insgesamt realisieren.

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